Gründen kann doch jeder, oder?

Betrachtet man die Erfolgsgeschichten von Steve Jobs oder Bill Hewlett und David Packard, so scheint zum Gründen vor allem ein geschützter Raum, in dem ungestört an Ideen getüftelt werden kann, nötig zu sein. Hier ist es völlig gleich, ob es ein Penthaus oder das Kinderzimmer im Elternhaus ist. In den Fällen von Apple und HP waren es die Garagen, die Geschichte geschrieben haben. 1989 erklärte der US-Staat Kalifornien die HP-Garage sogar zum Geburtsort des Silicon Valley.

Doch damit das Gründungsvorhaben auch gelingen kann, müssen die richtigen Leute zum richtigen Zeitpunkt zusammenfinden. Gründerteams sollten idealerweise aus einem Visionär und einem Manager mit kontrollierender Buchhalterfunktion bestehen. Prallen zwei Visionen aufeinander, kann das für die tatsächliche Umsetzung der Geschäftsidee fatale Folgen haben. Nicht ohne Grund ist der Ansatz “We both have the same vision” von Sunnyvale.com als einer der sieben schmerzhaftesten Fehlern bei der Gründerteamzusammensetzung aufgeführt. Startups aus dem Technologiekontext brauchen natürlich einen Techie, der die Welt im Binärcode nicht nur versteht sondern auch deren Zukunft prägen kann. In einer solchen Dreieckskonstellation ergänzen sich die Qualitäten und das Gründungsvorhaben hat Aussicht auf erfolgreiche Umsetzung.

Aber wie finden Gründungswillige im Silicon Valley zusammen? In welchem Kontext werden neue Geschäftsideen entwickelt? Diese Frage gab mir Ulli mit auf die Reise in die USA. Nahezu unisono von all meinen Gesprächspartnern hörte ich das eine Schlagwort, das im Silicon Valley zählt: Netzwerken.

Sei es auf zahlreichen Gründertreffen, die sich zum Beispiel über die Online-Plattform “Meetup.com” koordinieren, oder auf Konferenzen und Diskussionsveranstaltungen, das Netzwerken (“socializing”) wird im Silicon Valley groß geschrieben. Nur diejenigen, die ihr Gesicht zeigen, sind auch in den Köpfen der Statup-Community im Silicon Valley präsent. Das führt zum einen dazu, dass die Grenzen zwischen Business und Vergnügen immer weiter verschmelzen. Zum anderen sind die Beteiligungsraten an den Netzwerktreffen auch vergleichsweise hoch. Schließlich kann ja der einige wichtige Kontakt für die nächste Geschäftsidee vor Ort sein. Für die noch immer unterrepräsentierten Gründerinnen hat sich zudem das Netzwerk “Women 2.0” gebildet. Jeden zweiten Freitag im Monat treffen die Regionalgruppen – z.B. Palo Alto, oder San Francisco – zu einem Netzwerktreffen zusammen.

Tatendrang liegt in der Luft

Parkplatz in erster Reihe vor dem Plug and Play Tech Center. Foto: Nina Keim

In einem Umfeld, in dem neue Innovationen im Minutentakt entwickelt werden, ist der Zeitfaktor entscheidend für den Weg zum Erfolg. Hier kann selbst der Fußweg vom Parkplatz zum Meeting verlorene Zeit sein. Bei meinem gestrigen Besuch im Plug and Play Tech Center in Sunnyvale war die gesamte erste Reihe an Parkplätzen für Venture Capital Investoren reserviert.

Die Schnelllebigkeit im Silicon Valley gilt als Markenzeichen für den Innovationsstandort. Nirgendwo auf der Welt ist die Dichte von erstklassigen Technologie-Konzernen, Startup-Gründern und zahlungskräftigen Investoren größer. Das belegen nicht zuletzt zahlreiche Statistiken zum besonderen Ökosystem der Region. Neben greifbaren Kennzahlen ist es aber insbesondere die Atmosphäre vor Ort, die die Einzigartigkeit unterstreicht. Eine Mischung aus Innovation und Tatendrang liegt in der Luft. Jeder, der hier ist, möchte etwas erreichen, etwas “verkaufen”. Mit einer entschiedenen Offenheit berichtet jeder von seinem Vorhaben, seinen Ideen und seinem Unternehmen. Es gibt keine langwierigen Einführungen und Vorstellungsrunden vorneweg. Man kommt hier gleich auf den Punkt – und das ist auch gut so.

Die “Elevator Speech” bekommt hier eine ganz neue Bedeutung. Während es sich in Deutschland um eine Fahrt in den 52. Stock handelt, ist im Silicon Valley bereits im 10. Stockwerk die Entscheidung  über die Finanzierungsaussichten eines gesamten Gründungsvorhabens gefallen. “Amerikanische Investoren wollen in ein Team investieren, das über den Tellerrand schaut und in der Lage ist, sich im schnelllebigen Markt zu beweisen”, sagt Florian Beba, COO von Roombeats.

A pivot is a substantive change to one or more business model components.

Das Schlagwort hierbei heißt “pivoting“. Es beschreibt den Adaptionsprozess eines Geschäftsmodells, um eine ideale Markt-Produkt-Abstimmung zu erzielen. Unternehmen, die pivoten, seien in den USA höher angesehen als in Deutschland, so Beba, der gerade als Teilnehmer des German Silicon Valley Accelerator Programms für drei Monate in den USA ist. Während der Pivot in Deutschland gerne als Zeichen für unstetes, unseriöses oder gar schlecht geplantes Unternehmertum betrachtet werde, gelte die Unternehmenspraxis in den USA als Beleg für die Flexibilität, Anpassungsfähigkeit der Startupteams.

Auf meiner Suche nach den Besonderheiten des Silicon Valley bin ich nun also auf den ersten Unterschied zwischen Deutschland und den USA gestoßen. Unsere deutsche Mentalität scheint uns einen Strich durch die Rechnung zu machen, zumindest wenn es darum geht, schnell auf Marktveränderungen zu reagieren. Solange die Akquise von Finanzierungsmitteln ein langwieriges Verfahren bleibt und von Gründern verlangt wird, ihre Geschäftsideen bis ins kleinste Detail durchplant und bis auf den Cent genau durchkalkuliert zu haben, geht in Deutschland wertvolle Zeit verloren. Denn gerade der schnelllebige Markt der IKT-Industrie verlangt ein gewisses Maß an Flexibilität, um nicht den Anschluss zu verpassen.

Deine Frage ans Silicon Valley

Foto: CC-BY bettybraun auf Flickr

Anfang Februar werde ich ins Silicon Valley reisen, um ein Gefühl für den Innovationsstandort zu bekommen und dort der Frage nachzugehen, wie auch deutschen Startups der weltweite Durchbruch gelingen kann. In Gesprächen mit Startup-Gründern, etablierten Unternehmern, VCs und Akademikern möchte ich herausfinden, welche Rahmenbedingungen den weltweiten Erfolg von Unternehmensgründungen beeinflussen und was sich Deutschland von den USA abschauen könnte.

Bereits im Vorhinein möchte ich allen Interessierten die Möglichkeit geben, mir Fragen auf die Reise mitzugeben. Welche Themenkomplexe sollte ich vor Ort recherchieren? Gibt es konkrete Fragen, die ich vor Ort unbedingt stellen sollte? Ich freue mich über Nachrichten und Fragen im Kommentarbereich dieses Blogs. Alles, was mich bis zum 5. Februar 2013 erreicht, werde ich auf jeden Fall mitnehmen.

Die Gewinnerin ist gekürt!

Es fiel der Jury nicht leicht, aus den fünf wirklich hervorragenden Teilnehmern und Teilnehmerinnen unserer Challenge einen Gewinner auszuwählen. Doch nun ist die Entscheidung gefallen: Nina Keim ist die Gewinnerin der diesjährigen Bloggerchallenge zum nationalen IT-Gipfel. Herzlichen Glückwunsch zu diesem verdienten Sieg!

Sie wird Anfang des Jahres 2013 aus dem Silicon Valley berichten und die Debatte zum Thema “”Vom StartUp zur Global Brand!? Weltweiter Erfolg für deutsche Gründer” weiterführen. Wir freuen uns auch weiterhin über zahlreiche Leser, Kommentare und Anregungen!

Dankeschön!

Die Bloggerchallenge zum IT-Gipfel 2012 ist offiziell beendet. Unserer besonderer Dank gilt unseren TeilnehmerInnen Janina Benz, Balazs Gal, Nina Keim, Philipp Messerschmidt und Bernd Nussbaum und unseren Jurymitgliedern Verena Delius, Dr. Andreas Goerdeler, Lukas Jaworski, Prof. Dr. Christoph Meinel, Dr. Bernhard Rohleder, Prof. Michael Rotert und Dr. Ole Wintermann.

Unsere fünf KandidatInnen haben 36 Artikel verfasst, das entspricht ca. 68 Seiten Volltext oder 17.462 Wörtern und 124.621 Zeichen.  Das Thema “Vom Startup zur Global Brand?!” wurde aus vielen Perspektiven kritisch und transparent betrachtet und und kreativ umgesetzt. So ist eine Vielzahl an Texten, Audiointerviews, Grafiken und Bildern entstanden, die zeigen, wie vielfältig der IT-Gipfel aufgestellt ist, wenn man an den richtigen Stellen nachfragt.
Auch die zahlreichen Kommentare und Diskussionen im Blog und auf Twitter zeigen, dass wir dem Ziel, den Gipfel und seine Themen verständlicher darzustellen, ein Stück näher gekommen sind.

Trotz aller gemeinsamer Leistungen, die die BloggerInnen vollbracht haben, sollte nicht vergessen werden, dass sie sich alle auch in einem Wettbewerb befinden, dessen erste Phase jetzt ihren Abschluss findet. In den nächsten Tagen wird die Jury alle eingereichten Posts einer Bewertung unterziehen und einen Gewinner küren, der dann Anfang 2013 für fünf Tage aus den USA vom German Silicon Valley Accelerator berichten wird. Die Reiseeindrücke werden dann ebenfalls hier im Blog veröffentlicht – wir sind gespannt!

Abschließend möchten wir auch allen Personen danken, die an der Umsetzung der Bloggerchallenge beteiligt waren und nicht zuletzt all unseren Lesern und Followern, die sich an der Diskussion um die Themen des Blogs beteiligt haben und uns dazu ermutigen, diesen Weg weiterzugehen.

Gründerinnen gesucht

Wer die Berichterstattung über den IT Gipfel insbesondere über Twitter und in der Blogosphäre verfolgt hat, ist schnell auf Beschreibungen von „Männern in dunklen Anzügen“ gestoßen. Gar von einem „Stelldichein von Männern in dunklen Anzügen und einer Dame im Hosenanzug“ ist auf einem Blog die Rede.

Fernab von den teilweise kritischen Anmerkungen zum IT Gipfel auf diesen Blogs (ich habe mich zum Format des Gipfel hier bereits geäußert), möchte ich an dieser Stelle den Grundgedanken der Aussage hinterfragen. Wie kommt es zu der geringen Teilnehmerzahl von Frauen am IT Gipfel? Weiterlesen

This is the end

The end © vege - Fotolia.com

The end © vege – Fotolia.com

Das war’s also. Heute endet die Bloggerchallenge und dieses wird mein letzter Text sein. Schade, es hat wirklich Spaß gemacht und war für mich eine komplett neue Erfahrung. Die ersten Texte auf die Reise zu schicken, war eine wirkliche Herausforderung, aber nach und nach wurde es immer einfacher und vage die Ideen formten sich zu Sätzen und Artikeln.

An beiden Tagen durften wir vielen interessanten Reden folgen und lernten noch mehr interessante Menschen kennen. Wir erfuhren viele Ideen und Motive von Gründern und lernten ihre Kopfschmerzen auf dem Weg zum Erfolg zu teilen. Hoffentlich haben die Lenker aus Politik und Wirtschaft genau so gut zugehört wie wir, denn es gibt noch genug zu tun, um die Gründerkultur in Deutschland auszubauen und zu befördern. Weiterlesen

Netzwerkausbau und Datenwahn

Der IT-Gipfel wurde 2006 ins Leben gerufen, um den Breitbandausbau in Deutschland zu befördern. Damals konnte man nur erahnen, welche Datenmengen wir dank unserer elektronischen Helferlein heute ins Netz einspeisen und darüber abrufen. Damit schaffen wir selbst den wertvollsten Rohstoff unserer Zeit, wie auch die Diskussion um BigData unterstreicht: Information. Noch in diesem Jahr prognostizierten die Marktforscher von IDC einen weltweiten Datenbestand von 2.7 Zettabyte und diese Menge verzehnfacht sich voraussichtlich ca. alle 5 Jahre.

Dieser Rohstoff möchte auch transportiert werden, daher ist der Ausbau der Netze unerlässlich und internationale Vergleiche zeigen, dass wir noch immer hinterherhinken. Zwar verspricht man mit LTE Abhilfe schaffen zu können, nutzen doch die meisten von uns immer mehr mobile Endgeräte, als stationäre Rechner, nur wer sich hier und da mal aus den Städten und Ballungsgebieten heraus traut, weiß wie es um die Versorgung in den ländlichen Regionen steht. Weiterlesen

Geübte Gründer stoßen auch noch auf Hürden

Internetportale wie StudiVZ und Zalando sind weit bekannt und es gibt noch viele andere deutsche Portale die als Startup gegründet wurden, mit einfachen amerikanischen Vorbild und mal erfolgreich mal nicht so erfolgreich geworden sind. Eine der bekanntesten Namen in Deutschland was Finanzierung und neue Online Projekte angeht sind die Samwer Brüder, die in den letzten Jahren viel dran gesetzt haben das Möbelkaufen zu revolutionieren.

Auf Home24 sollen bald Möbel ohne stationären Handel vertrieben werden und somit ein bequemeres Shopping ermöglicht werden und Ikea und Co. der Kampf angesagt werden. Was jetzt so schön klingt war vor einigen Monaten noch ein Wulz aus verschiedenen Nieschen Shops und Plattformen. Mit Investierern wie Reinhold Zimmermann, Holtzbrinck Ventures, J.P. Morgan und anderen liegt es nicht am finanziellen das Projekt um zu setzen, aber dennoch gibt es schon seit Wochen Schwierigkeiten bei der Umsetzung und dem Neustart der Seite unter einem großen Namen.

Im Vergleich dazu gibt es dutzende Startups in Deutschland die von Anfang an mit internen Entwicklern bessere Projekte zusammenbauen können und es nur an entsprechenden Partnern dazu fehlt. Das Home24 Projekt wird definitiv nicht scheitern aber auf externe Entwickler zu setzen und dann interne einzustellen, die noch lange rausfinden müssen was unterschiedliche Personen gebaut haben, ist nicht unbedingt wirtschaftlich und nur eine Vergeudung von Investmentgeld, von dem es in Deutschland wohl genug zu geben scheint, nur fehlen dafür die glaubwürdigen neuen Startups.

Was meint ihr zu der Problematik?

Bildquelle: Home24